| Osterferien 1998 - Osterfahrt nach Andalusien |
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| Geschrieben von Marcel | |
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Gelebte Religiosität als Teil einer modernen Gesellschaft Die KSJ versteht sich als eine Gemeinschaft von suchenden Christen innerhalb der katholischen Kirche. Jugendliche suchen nach einem Experimentierfeld und Entfaltungsraum im persönlichen und gemeinsamen christlichen Glauben. Sie bevorzugen eine Gemeinschaft von Gleichaltrigen und neue Formen des Gottesdienstes und des Gebetes. Entsprechende neue Formen mit den Jugendlichen zu entwickeln und sie für diese zu begeistern wird auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe und zugleich große Herausforderung in der katholischen Jugendarbeit bleiben. Mit der Konzeption unserer diesjährigen Osterfahrt nach Andalusien, der Kombination eines attraktiven Freizeitangebotes mit der gemeinsamen Vorbereitung und Feier der Kartage sowie einer Auseinandersetzung mit den religiösen und kulturellen Unterschieden der Deutschen und Spanier, wollten wir auch die Jugendlichen ansprechen, die zu einer Teilnahme an Kartagen im „klassischen" Sinne nicht zu motivieren gewesen wären. Andalusien hatten wir als Ziel ausgewählt, weil es sich um eine Region handelt, die Jahrhunderte lang bestimmt war vom Ringen zwischen Christen, Juden und Moslems, und dort für die Teilnehmer sehr gute Möglichkeiten gegeben waren, die Unterschiede in Religiosität und Kultur wahrzunehmen. Wir wollten den Teilnehmern zeigen, dass in Spanien viel deutlicher spürbar ist, dass Religion und Profanes nicht zwei getrennte gesellschaftliche Bereiche sind, wie das in Deutschland so häufig der Fall zu sein scheint, sondern zwei Aspekte desselben ganzheitlichen Lebens. Das Ringen zwischen Christen, Juden und Moslems wirkte sich nicht nur in den Bauten aus, von denen wir einige mit den Jugendlichen besichtigt haben, sondern auch auf Gesang und Tanz, wie wir es im Rahmen der Prozessionen erleben konnten. Die starken arabischen Einflüsse zeigen sich aber auch in der Religiosität, die im Süden Spaniens ein ganz eigenes Gepräge hat. Die älteren Jugendlichen ab Klasse 10 hatten sich im Rahmen eines Vorbereitungswochenendes auf ein Programm geeinigt, dass den unterschiedlichsten Interessen gerecht werden sollte. Die Anreise nach Ronda erfolgte mit einem Reisebus, der in seinem Anhänger die Fahrräder, unsere Küchenausrüstung und andere Materialien beförderte, in zwei Nachtfahrten mit einer Zwischenübernachtung in Barcelona. Die Strecke von Ronda nach Sevilla legten die Jugendlichen in Fahrrad- oder Wandergruppen in 4 Etappen zurück. Die Morgenimpulse vor dem Aufbruch von den Campingplätzen sollten einerseits zu einer Auseinandersetzung mit den zentralen Texten christlichen Lebens anregen, anderseits eine sinnvolle Auswahl für die Osternacht ermöglichen. Die Tagesreflexionen hatten die Grundstruktur des „Examen Particulare" von Ignatius von Loyola. Bei diesen Reflexionen stand im Vordergrund, dass die Jugendlichen ihre eigenen Tageserlebnisse mit den biblischen Texten der Tagesimpulse in Beziehung setzen sollten. Am Nachmittag des Palmsonntags steuerten wir nach einer Messe in der Kapelle des Jesuitenkollegs in Sevilla einige Kirchen an, um dort die Vorbereitungen auf die Prozessionen zu beobachten, die in der Karwoche in fast allen andalusischen Städten stattfinden. Bereits am Nachmittag konnten die Jugendlichen eine Prozession aus nächster Nähe verfolgen. Nach dem Abendessen ist es uns gelungen, die Prozessionen in unmittelbarerer Nähe der Kathedrale zu beobachten. Die drei folgenden Tage standen für gemeinsame Besichtigungen und Stadtrundgänge in Kleingruppen durch Sevilla und Cordoba zur Verfügung. Die Kartage von Gründonnerstag bis Ostermontag verbrachten wir in einem Selbstverpflegungshaus bei Granada. Die Messe am Gründonnerstag, einen Kreuzweg, die Karfreitagsliturgie und die Osternacht bereiteten die Jugendlichen dort gemeinsam vor und arbeiteten dabei deren Bedeutung für das Leben des Einzelnen heraus. In die Messe am Gründonnerstag haben wir Elemente der jüdischen Paschafeier einbezogen. Die Symbole wurden während der gemeinsamen Vorbereitung der Messfeier den Jugendlichen erklärt. Den Kreuzweg hatte eine Kleingruppe bereits in Bonn vorbereitet. Sie sollten die Bedeutung der einzelnen Stationen auf ihre eigene Lebenswirklichkeit übertragen und dies in den Texten zum Ausdruck bringen. Bei der Karfreitagsliturgie war es uns ein besonderes Anliegen, dass die Teilnehmer den Ursprung der Karfreitagsliturgie und der einzelnen Texte und Gesänge verstehen lernten. Zur Gestaltung der Osternachtsfeier hatte ebenfalls eine Kleingruppe in Bonn Ideen gesammelt, die sie in Granada den übrigen Teilnehmern vorstellten. Mit der Umsetzung der einzelnen Ideen wurden Kleingruppen beauftragt. Die Jugendlichen hatten sich dafür ausgesprochen, die Osternacht nicht am Samstagabend, sondern in den Sonnenaufgang des Auferstehungstages hinein zu feiern. Das emotionale Erlebnis der Osternacht wurde noch dadurch verstärkt, dass uns an diesem Morgen nach drei kalten und verregneten Tagen die Sonne begrüßte. Nach der Feier der Osternacht besichtigte die Gruppe die Alhambra von Granada. Wir haben versucht, mit den Rundgängen durch die Städte Arcos de la Frontera als vorletzter Bastion der Mauren auf spanischem Boden, Sevilla (Alcazar-Palast), Cordoba (Mezquita) und Granada (Alhambra) und der gemeinsamen Besichtigung wichtiger Bauten den Teilnehmern einen Rückblick in das Spanien zur Zeit der Mauren zu ermöglichen. Eingeleitet wurden die einzelnen Besichtigungen durch kurze Erläuterungen sowie ausführliche Informationen in dem Fahrtenheft, das jeder Teilnehmer vorher erhalten hatte. Während der Busfahrt nach Spanien haben wir neben einem Film über die Kulturgeschichte Andalusiens auch Referate zu diesem Thema gehört, die einige Teilnehmer vorbereitet hatten. Die Rückreise wurde am Ostermontag angetreten. Unsere Absicht, durch eine qualifizierte und zugleich ansprechende Gestaltung der thematischen Programmteile das Interesse der Teilnehmer im Laufe einer Veranstaltung zu wecken, konnten wir auch in diesem Fall sehr gut verwirklichen. Damit hat sich unsere Auffassung voll und ganz bestätigt, dass sich auch solche Inhalte für eine breitgestreute Altersgruppe interessant gestalten lassen, wenn den Kindern und Jugendlichen die notwendigen Rahmenbedingungen geboten werden, über Fragen ihres persönlichen Glaubens in unterschiedlichsten Lebensbereichen und Aktivitäten in einer Gleichaltrigengruppe nachzudenken und diese in die Gestaltung neuer liturgischer Formen einzubringen. Anknüpfungspunkte der Auseinandersetzung mit den Texten waren die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen und die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen während der gemeinsamen Fahrt. Insofern sind wir mit dieser Veranstaltung unserem Anspruch voll und ganz gerecht geworden, Kindern und Jugendlichen ein Experimentierfeld und Erfahrungsraum im persönlichen und gemeinsamen Glauben zu ermöglichen. Während der Maßnahme hat sich herausgestellt, dass weit mehr als die Hälfte der Teilnehmer an den Gottesdiensten der Kar- und Ostertage noch nie teilgenommen hatten. Kaum ein Jugendlicher hat sich daher vorher schon einmal in dieser Intensität mit der Bedeutung der Texte und den liturgischen Elementen der Gottesdienste beschäftigt. Sehr hilfreich war, dass Pater Adrian Kunert SJ, der in Spanien ein halbes Jahr lang Theologie studiert hat, und P. Gundolf Kraemer SJ die religiösen Elemente nicht nur zusammen mit den Teilnehmern vorbereitet haben, sondern die Rad- und Wandergruppen auch begleitet haben, sodass sie auf Fragen der Teilnehmer, die sich insbesondere durch die Morgenimpulse ergeben hatten, eingehen konnten. Die gemeinsamen Erlebnisse sowie die sehr guten Gespräche mit einzelnen Teilnehmern über Glaubensfragen waren gute Anknüpfungspunkte für die weitere Jugendarbeit in Bonn. Die Osterfahrt bot wie alle Ferienprojekte die besten Rahmenbedingungen, Gruppenprozesse über einen längeren zusammenhängenden Zeitraum zu erleben und zu gestalten, durch einen geschlechts- und altersübergreifenden Meinungsaustausch sozialen Umgang miteinander zu lernen und eine qualifizierte Bewältigung von Konflikten in einer Gruppe einzuüben. Die Jugendlichen lernten „spielerisch" im Alltagsleben der Fahrt die Voraussetzungen für eine Gemeinschaft kennen und anwenden. Die Befähigung zum eigenverantwortlichen Handeln, z. B. durch die Übernahme von Leitungsverantwortung (Kleingruppen u. a.) oder die sonstiger Aufgaben, war ein wichtiges Ziel. Auch Teilnehmer, die zu Beginn der Spanienfahrt sich eher passiv verhalten hatten, engagierten sich größtenteils im späteren Verlauf aktiv für die Gruppe. Die Fahrt hatte zudem für die Integration einiger Mitglieder in die Gruppe und die Identifizierung mit der Gruppe einen hohen Wert. Auch eine weitere Zielsetzung, mit der Andalusien-Rundreise in Form einer Radtour und Wanderung Jugendlichen Möglichkeiten zu bieten, die Menschen und deren Lebenssituationen und -perspektiven in Spanien kennen zu lernen, konnte größtenteils umgesetzt werden. Die Erfahrungen und Besichtigungen in Spanien erleichterten und ermöglichten vielen einen Überblick über die Lebenssituation in Spanien und somit den heute sehr wichtigen interkulturellen Lernprozess. Die Jugendlichen lernten, sich mit einer anderen Kultur auseinander zu setzen, die Unterschiede zur eigenen zu verstehen und zu akzeptieren und ggf. die eigenen Vorurteile abzubauen. |