| Herbstferien 2000 - Bericht von Nils Börnsen |
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| Geschrieben von N.N. (vgl. Artikel) | |
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Als Thema des diesjährigen Herbstlagers war das Internet ausgewählt
worden. Unter dem Motto „Ich bin drin und was nun?" starteten 61
Jugendliche in der ersten Woche der Herbstferien in das kleine,
verschlafene Eifel-Dorf namens „Cassel", voller Hoffnung, ihre
Kenntnisse über das Medium der Gegenwart und Zukunft zu verbessern.
Kritiker werden sich fragen: „Ins Eifel-Dorf, um das Internet
kennenzulernen? Gerade dort? Ist das nicht ein unüberwindbarer
Widerspruch?" Wir entwickelten während der etwa ein halbes Jahr vorher beginnenden Vorbereitung ein innovatives Konzept, das dieses gewagte Vorhaben ermöglichen sollte: Zum einen wurden fünf PCs herangeschafft, an denen man zumindest „trocken" surfen konnte. So kann man zum Beispiel Kenntnisse über das Gestalten einer eigenen Homepage auch „offline", also ohne Internetzugang vermitteln. Außerdem lässt sich auch eine ganze Menge über die Funktionsweise des Internets sagen, ohne dass man es vor Augen hat. Wer wusste beispielsweise schon vor dem Lager, was ein SMTP- oder ein POP3-Server ist? Dass dies Einrichtungen sind, die die E-Mail-Kommunikation ermöglichen, weigerten sich zwar einige Teilnehmer bis Ende des Lagers hartnäckig einzusehen, aber dennoch ließen sich schon in Cassel wesentliche Grundkenntnisse vermitteln. Zum anderen bildete eine Fahrt den Kern des Projekts, bei der die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt wurden und von unterschiedlichen Jugendherbergen aus (Aachen, Hamminkeln und Lindlar) an einem sogenannten „Internetcontest" teilnahmen. Bei dieser sich über drei Tage erstreckenden Rallye durch das „World Wide Web" mussten die Teilnehmer verschiedenste Aufgaben lösen, wobei nur das Internet verwendet werden durfte. Die Leiter standen dabei zwar zur Seite, waren aber auch nicht immer in der Lage zu helfen, da auch sie die Aufgaben (fairerweise) erst vor Ort erfuhren. Und wer weiß schon spontan, wie man zum Beispiel eine Nachricht per Computerstimme an einem ausländischen Telefon verlesen lassen kann? Aufgaben dieser und noch seltsamerer Art stellten unsere Gruppe - und wie wir per E-Mail erfuhren, auch die anderen - zeitweise vor schier unlösbare Herausforderungen. Bis auf ein einziges Mal fand man jedoch nach mehr oder minder langer Suche eine - zumindest theoretische - Lösung des Problems in den unendlichen Weiten des Internets. Zeitweise trat sogar jenes neuartige und begeisternde Phänomen auf, was neudeutsch das „global village" genannt wird. Bei der Aufgabe, sich möglichst viele Grüße aus dem Ausland per E-Mail schicken zu lassen, war es gefordert, in anderssprachige Chats zu gehen und jemand Wildfremdes um einen Gefallen zu bitten. Die Vorstellung, dass zur gleichen Zeit dieser Wildfremde auf der anderen Seite der Erde an seinem Computer sitzt und die Bitte mit einem einfachen „Sure. Yoúre welcome." erfüllt, war beeindruckend und bleibt sicherlich bei vielen in bleibender Erinnerung. So wurde also zumindest ein bißchen der scheinbar so große Widerspruch zwischen dem verschlafenen Eifel-Dörfchen und dem schnelllebigen „global village" aufgelöst. Eine besonders schöne Herausforderung stellte die Tatsache dar, dass man während des „Contests" alle Ergebnisse auf einer eigenen Homepage präsentieren sollte, die, je nach Kreativität und Design, auch noch mit in die Wertung miteinbezogen werden würde. Dies führte zu einem regelrechten Wettstreit zwischen den einzelnen Teams und wir Leiter saßen zeitweise, nachdem die Grumis schon längst im Bett waren, noch vor dem Computer und bastelten an der Seite. So entstanden mit der Zeit beachtenswerte und immer umfangreichere Seiten, wobei natürlich stets die eigene die unangefochten beste war, was in regen E-Mail-Wortgefechten zwischen den Grumis (und Leitern) auch eifrig vertreten wurde... Trotzdem wurde, je länger man sich mit den neuen Möglichkeiten durch das Internet beschäftigte, klar, dass auch dieses Medium seine Grenzen besitzt. Und so war es dann vielleicht auch ganz gut, dass sich nach den drei Tagen alle Teilnehmer in Cassel wiedertrafen und man mal wieder von Angesicht zu Angesicht, und nicht mehr von Bildschirm zu Bildschirm kommunizieren konnte. Nils Börnsen |