Zur Navigation | Zum Inhalt
Sommerferien 2000 - Der Weltjugendtag (Bericht von Peer Ulrich Fleischhauer) Drucken E-Mail
Geschrieben von Peer Ulrich Fleischhauer   
Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen!

Eigentlich ist diese Überschrift irreführend, da schon zu Beginn unseres Besuches auf dem Weltjugendtag 2000 klar war, dass nicht zwei oder drei, sondern hunderttausende Jugendliche in Rom versammelt waren. Den Zeitungsartikeln und anderen Medienberichterstattungen konnten wir hinterher entnehmen, dass neben uns 29 Teilnehmern der KSJ-Fahrt anfangs etwa 750.000 Jugendliche sich an den Veranstaltungen beteiligten und diese Zahl kontinuierlich anstieg, bis bei der Abschlussveranstaltung etwa 2 bis 2,5 Mio. verzeichnet wurden. Aber gerade diese Veranstaltung war für mich das Faszinierendste an der ganzen Fahrt, da sie zugleich die Besonderheiten des Ganzen widerspiegelte. Daher will ich mich auf die Beschreibung dieser knapp 24 Stunden beschränken, da ich sonst allein einen großen Teil dieses Vorstellungsheftes füllen könnte.

Dass mehr als zwei oder drei in Seinem Namen versammelt waren, bemerkten wir schon bei der Anfahrt in unserem Reisebus am Samstagmittag: Der Veranstaltungsort war großräumig abgesperrt, sodass Bernd (unser Busfahrer) Mühe hatte, uns auch nur einigermaßen in die Nähe zu bringen. Aber mit einigen Tricks gelangten wir schließlich auf einen großen, hoffnungslos überfüllten Parkplatz. Von dort aus sollte - so hatte es im Vorfeld geheißen - eine Shuttle-Busverbindung zum Gelände selbst existieren. Die vor Ort anwesenden Volontari (das sind freiwillige ehrenamtliche Helfer, die extra für den Weltjugendtag eingesetzt worden waren und mit denen wir in den letzten Tagen sehr unterschiedliche Erfahrungen bezüglich der Qualität ihrer Hilfestellungen gemacht hatten) machten zuerst diese Hoffnungen zunichte, und wir stellten uns gerade auf eine ca. 12 Kilometer lange Wanderung mit unserem Gepäck (Schlafsachen, Proviant, Sonnensegel, Wasser in Massen etc.) in der Hitze ein, als wir feststellten, dass dort sehr wohl ein solcher Bus abfuhr. Im Bus stellten wir fest, dass dieser hauptsächlich von den Volontari selbst genutzt wurde und diese Fehlinformationen wohl in deren eigenem Interesse an einem Platz in besagtem Bus lag.

Der vollkommen überfüllte Bus brachte uns dann auch ohne größere Anstrengung, vorbei an einigen Wandergruppen, die auf die fehlerhafte Auskunft hereingefallen waren, zum Eingang des Geländes. Auch, wenn ich die genauen Ausmaße nicht kenne, möchte ich das Gelände etwa mit der Bonner Rheinaue vergleichen. Und dieses Gelände war voll mit Menschen. An dem Hauptweg standen sie dicht gedrängt, eine Laufstraße blieb glücklicherweise für uns frei und eine Fahrspur für die Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge und für den Papst.

Wir hatten uns im Vorfeld überlegt, nicht zu früh zu dem Gelände zu fahren, um die Mittagshitze zu umgehen. Nun mussten wir uns allerdings beeilen, denn wir hatten ein fest zugewiesenes Aufenthaltsgebiet. Wir mussten also zusehen, uns mit unserem Gepäck und möglichst schnell durch die Massen zu drängen ohne dabei irgendwelche Teilnehmer zu verlieren. Bei einer kurzen Pause kam in den Massen Unruhe auf und uns wurde der Grund bald klar: Seine Heiligkeit war soeben gelandet und fuhr nun mit dem berühmten Papamobil durch die Menge zum Altargelände. Da wir uns wie gesagt an der Hauptfahrstraße entlang bewegten, kam er auch direkt an uns vorbei.

Als wir endlich in unserem „Planquadrat" angekommen waren, mussten wir feststellen, dass es dort übervoll war. Also ging Marcel mit spürhund-ähnlicher Sicherheit und Ausdauer auf die Suche und wurde tatsächlich auch fündig: Wir schlugen unser Lager auf einem Berg auf, der nicht ganz so überfüllt war, von dem aus wir aber trotzdem beste Sicht auf eine der unzähligen Großleinwände hatten, die über das ganze Gelände verteilt waren. Zudem war auch der Weg zur nächsten Toilettenanlage nicht weit. Aber Toiletten (hier die meist blauen Miethäuschen, die von Baustellen bekannt sein dürften) waren auf dem Gelände sowieso in solchen Mengen und so gut verteilt vorhanden, dass ich manchmal das Gefühl hatte, alle Miettoiletten Europas seien hier vereint.

Kurz nachdem wir unser Lager aufgeschlagen hatten, begann die Vigilfeier mit dem Papst. Das Bild auf der Großleinwand war gut zu sehen, und wir konnten über mitgebrachte Radios theoretisch sogar eine deutsche Simultanübersetzung mithören. Leider spielten die Funkwellen diesbezüglich nur an wenigen Stellen mit, und wenn der glückliche Zuhörer der deutschen Stimme lauschen konnte, durfte er sich nicht mehr bewegen, um diese nicht wieder zu verlieren. Gegen Ende der Vigil (nach Einbruch der Dunkelheit) wurden überall kleine Kerzen, die jeder Teilnehmer in seiner Pilgertasche erhalten hatte, entzündet. Das Gelände glich daraufhin einem Lichtermeer, ein Eindruck des Friedens. Nach dem Segen Seiner Heiligkeit und Seiner Abreise wurde das offizielle Programm durch ein grandioses Feuerwerk beendet. Bis zum ausgemachten Beginn der Nachtruhe benutzten einige Teilnehmer die Zeit - wie auch schon in den Tagen zuvor - für die Begegnung mit anderen Jugendlichen aus aller Welt. Und das war es auch, was den ganzen Weltjugendtag prägte: Die Begegnung mit Gläubigen gleichen Alters aus aller Herren Länder.

Andere aus unserer Gruppe saßen zusammen und diskutierten über die vergangenen Tage, wieder andere legten sich direkt schlafen, da die Tage zuvor doch sehr anstrengend gewesen waren. Zur Nachtruhe waren dann alle versammelt und es kehrte - trotz der Menschenmassen - so viel Ruhe ein, dass wir alle gut und ausgiebig schlafen konnten.

Insgesamt war die Logistik auf dem Gelände hervorragend: Mineralwasser gab es in beliebigen Mengen, Toiletten waren - wie schon gesagt - auch genügend vorhanden und auch für den Notfall war vorgesorgt: Es gab überall erste Hilfe Stationen und Tag und Nacht fuhren Krankenwagen Streife über das Gelände. Glücklicherweise mussten wir diese nie in Anspruch nehmen. Es war auch deutlich der Anspruch dieser Veranstaltung zu merken: Es war kein Rockfestival und auch kein neues Woodstock (auch, wenn das Gelände den Fernsehbildern von damals nicht unähnlich war). Hier wurde nahezu kein Alkohol getrunken, der auch verboten war, und es kam insgesamt weder zu größeren Rangeleien noch zu Diebstählen. Wir haben zumindest keine erlebt und auch keine Berichte darüber wahrgenommen.

Am nächsten Morgen brachen wir unser Lager ab; wir wollten nämlich zur Abschlussmesse nahe dem Ausgang sein, um vor den Massen das Gelände verlassen zu können. Auch hier führte uns Marcel`s Spürnase wieder zu einem guten Platz: Direkt am Ausgang gelegen mit eigener Leinwand. Das Einzige, was leider an der Stelle nicht zu empfangen war, war der deutsche Dolmetscher, aber der englische half zumindest teilweise weiter (Leider war der nämlich nicht richtig ausgesteuert und überlagerte das italienische Original daher kaum!). Wir hatten uns vorgenommen, nach der Kommunion das Gelände zu verlassen und zum eigens für diese Veranstaltung errichteten Bahnhof zu laufen. Die Kommunionausteilung selbst stellte in meinen Augen eine der größten logistischen Meisterleistungen dar: Plötzlich tauchten von allen Seiten Kommunionhelfer auf, die zur besseren Identifizierung von Pfadfindern mit weißen Regenschirmen (hier eher Sonnenschirmen) begleitet wurden.
Zu Beginn der Messe fühlten sich noch einige andere Teilnehmer von unserem Sonnensegel, das wenigstens etwas Schatten spendete, gestört, aber als wir es jetzt beim Aufbruch abbauten, war es ihnen auch wieder nicht recht. Es kam jetzt auf jede Minute an, sodass die Stimmung nicht gerade stieg, als wir feststellen mussten, dass zwei Teilnehmerinnen sich ins Gewühl Richtung Altar gestürzt hatten. Glücklicherweise tauchten sie wenig später wieder auf, sodass der Gewaltmarsch beginnen konnte. Die Angaben, die wir während des Marsches von Volontari und Polizisten erhielten (noch ca. 500 m u. ä.) erwiesen sich als falsch: Der Weg zum Bahnhof führte etwa zwei Kilometer eine neue (also schwarze) Asphaltstraße bergan, es war gegen Mittag, die Sonne brannte und es waren etwa 40 Grad im Schatten. Schade nur, dass es hier so gut wie keinen Schatten gab!

Die Anwohner des Weges versuchten ihn dadurch erträglich zu machen, indem sie über ihre Gartenmauern Schläuche hängten und permanent Wasser laufen ließen. Diese Art der Abkühlung wurde von allen gerne genutzt. Auch die Organisatoren gaben ganz praktische Hilfe: Unter jeder Brücke wurde kostenlos Mineralwasser verteilt. Als eine der letzten Gruppen erreichten wir im ersten Schub den Bahnhof, hinter uns wurde der Bahnsteig aus Sicherheitsgründen geschlossen. So konnten wir mit dem ersten Zug fahren und so früh unseren Reisebus besteigen, dass wir ohne größere Probleme den Heimweg antreten konnten.

Es gäbe noch vieles mehr von dieser Fahrt zu erzählen und andere aus unserer Gruppe mögen andere Erinnerungen haben. Aber für mich persönlich bleibt der wichtigste Eindruck der: Ich bin als Katholik nicht allein auf der Welt, es gibt Millionen andere, die auch ihre Probleme haben, aber trotzdem glauben. Und Gott ist mitten unter uns.

Peer Ulrich Fleischhauer