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Osterferien 2002 - Osterfahrt nach Kreta (Bericht von Jan Schmickler) Drucken E-Mail
Geschrieben von Jan Schmickler   
Auch dieses Jahr starteten wir am letzten Schultag vor den Osterferien mit einer Gruppe von 74 Teilnehmern, 2 Reisebussen, 2 Anhängern und tonnenweise Gepäck Richtung Süden. Alle waren froh, als sie nach langer Planung und dem Beladen der Busse, endlich in den Bussen sitzen konnten und Griechenland immer näher kommen sahen. Voll Vorfreude auf das Land, wo die Götter Urlaub machen, mit seinen langen Sonnentagen, richtete man, sich so gut es ging, im Bus für eine lange Nachtfahrt ein.

Unser Weg nach Kreta führte uns durch die Schweiz und Italien, wo wir schließlich in Ancona auf die Fähre fuhren, die uns bis nach Patras bringen sollte.

Die Fährfahrten sind sehr beliebt, da die riesigen Fähren sehr komfortabel sind, und doch deutlich mehr Beinfreiheit bieten, als unsere beiden Reisebusse. Außerdem ist es immer ein besonderes Erlebnis den Blick über das endlose Meer schweifen zu lassen und zu bobachten, wie die Sonne abends im Meer verschwindet.

Mit jeder Seemeile, die sich das Schiff durchs Wasser pflügt, spürt man das Näherkommen des südlichen Klimas. Normalerweise; in diesem Jahr äußerte sich das südliche Klima in sintflutartigen Regenfällen, die, wie sollte es anders sein, wenige Minuten nach der Nachtruhe einsetzten.

Genauso wenig wie wir, haben auch die Konstrukteure der Polyesterdächer, die unser Campingdeck überspannten, in diesen Breitengraden mit solch einem Regen gerechnet: Spontane Evakuierungsaktionen waren notwendig, bis schließlich jeder ein trockenes Plätzchen gefunden hatte.

Die zweite Fährpassage, die uns von Griechenland nach Kreta bringen sollte, begann zunächst etwas ungewöhnlich - nämlich gar nicht. Auch hier ließen uns die endlosen Sonnentage Griechenlands im Stich: Auf Grund einer Sturmwarnung der griechischen Seeaufsichtsbehörde wurde jeglicher Schiffsverkehr eingestellt. Dies stellte jedoch kein großes Problem dar, da wir trotzdem einchecken konnten. So kam es, dass 74 Teilnehmer und zwei Busfahrer eine ganze Fähre für sich allein in Anspruch nehmen konnten. Ein sehr gemütlicher Abend in etwas ungewohnter Kulisse war das Ergebnis dieser zweiten Wetterlaune. Als wir am nächsten Morgen aufwachten und über die Reling schauten, befanden wir uns auf hoher See.

Auf Kreta angekommen stand unserem geplanten Programm schließlich nichts mehr im Wege, fast nichts.

Beeinträchtigt wurde unser Programm nur durch das Wetter, denn die Sonne schien in Griechenland, wo die Sonne ja eigentlich immer scheint, wohl doch nicht immer. Genauer: Die Sonne schien zwar jeden Tag, meistens eben nur nicht sehr lang. An einem Tag nur 45 Minuten, an einem anderen 120 Minuten und zum Ende der Fahrt sogar einmal den ganzen Tag.

Wie in den vorherigen Jahren auch, standen einige Wanderungen bzw. Radtouren auf dem Programm, die die beste Möglichkeit bieten sich die traumhafte Landschaft anzuschauen. Außerdem waren einige Stadtbummel, sowie Besichtigungen verschiedener kultureller Stätten geplant. Würde nun jeder Tag einzeln beschrieben, nähme der Artikel den Umfang unseres Fahrtenheftes an.

Eine Wanderung, die im Nachhinein als eine der besten gilt, gewann durch das Wetter erst ihren Reiz. Denn der Weg, der durch eine beeindruckende Schlucht führte, war stellenweise knietief überflutet. Das Ziel vor Augen, war ein Umkehren für die meisten keine Alternative. Daher: Schuhe aus, Strümpfe aus, Hose hochkrempeln, und durch. Nachdem die Stelle passiert war und kleidungstechnisch wieder alles an seinem Platz war, konnte es weitergehen - dachten wir. Keine 200 Meter später ein erneuter Wassereinbruch. Diesmal deutlich tiefer. Also umkehren: Schuhe aus, Strümpfe aus, Hose hochkrempeln und durch. Immerhin kannten wir uns jetzt schon aus, und wussten welche Steine rutschig waren.

Obwohl diese Wanderung uns nicht wirklich zu unserem Ziel brachte, hat sie den meisten viel Spaß bereitet und mehr als einmal bewahrte einen eine haltende Hand vor klatschnassen Klamotten.

Neben den Wander- und Radetappen stellten auch die Stadtbummel in Athen, Chania und Rethimnon beliebte Programmpunkte dar. Denn beim Flanieren durch die verwinkelten Altstädte tauchte wohl jeder in das unverwechselbar griechische Flair ein, das durch enge Straßenzüge überzeugte, die ein bisschen an längst vergangene Zeiten erinnern.

Unsere Grumis (Gruppenmitglieder) nutzten außerdem die Möglichkeit gefälschte Markenkleidung zu kaufen. Obwohl wir gewöhnt sind, gerade erworbene T-Shirts unserer Grumis bestaunen zu dürfen, staunten wir nicht schlecht, als die Runde neun vom Stadtbummel in Rethimnon zurückkam: Jeder von ihnen trug ein T-Shirt mit der Beschriftung „Hard Rock Cafe Crete". Die einen sehen darin ernsthafte Anzeichen eines Gruppenzwangs, andere eine besonders stark ausgeprägte Identifikation mit der Gruppe.

Ein weiterer Schwerpunkt war auch in diesem Jahr die gemeinsame Gestaltung der Kar- und Ostertage.

So haben wir Karfreitag die Passionsgeschichte an verschiedenen Stationen beim Aufstieg auf den Berg Psari verlesen und uns im Anschluss an jeder Station mit den einzelnen Personen auseinandergesetzt und ihr Verhalten auf die heutige Zeit übertragen.

Am Gründonnerstag und in der Osternacht haben wir die Messen in der kath. Kirche von Rethimnon besucht, da uns in diesem Jahr kein Priester begleiten konnte. Verständigungsprobleme gab es keine, denn der Priester kam aus Köln. Die Welt ist doch klein. Die Gemeinde wird von Ostern bis Ende Oktober von Seelsorgern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz betreut, einen eigenen Pfarrer hat sie nicht. Nur 2 % der Bevölkerung sind katholisch, die meisten davon ausländischer Abstammung. So kam es, dass wir eine Messe in den Sprachen Deutsch, Griechisch, Englisch, Französisch und Latein feierten.

Die Osterfahrt war wieder ein besonderes Erlebnis. Zum einen hat jeder von uns eine Menge in einem fremden Land kennen gelernt und zu sehen bekommen. Zum anderen war jeder in einer Gruppe Gleichaltriger unterwegs, was einiges mit sich bringt:
  • Man lernt viele neue Leute kennen.
  • Man lernt viele Leute neu kennen.
  • Man lernt Verantwortung für die Gruppe zu übernehmen.
  • Man hatte eine ganze Menge Spaß und sehr viel zu lachen.
Die tolle Stimmung in der Gruppe, die schönen Radtouren und Wanderungen, die gute Vorbereitung und zwei grandiose Busfahrer haben dazu sicherlich beigetragen.
Also, eine so tolle Gruppe, wie auf dieser Osterfahrt und schönes Wetter wäre kaum zum Aushalten gewesen...

Jan Schmickler