| Herbstferien 2003 - Themenorientierte Herbstfahrt (Bericht von Jan Schmickler) |
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| Geschrieben von Jan Schmickler | |
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Das diesjährige Herbstlager mit dem wohlklingenden Titel „Die EU
-Erweiterung - Europas große Herausforderung - Der lange Weg in die EU
am Beispiel Tschechiens" führte uns auf den Spuren planwirtschaftlicher
Vergangenheit nach Tschechien, also in eines der Beitrittsländer. Im
Vorfeld unserer Fahrt quer durch Deutschland bis in die Tschechische
Republik wurde den Teilnehmern in Form von Kleingruppenarbeit in Cassel
ein umfassendes Wissen vermittelt, das verstehen lässt, welchen Wandel
man in den heutigen Beitrittskandidaten beobachten konnte und noch
heute kann. In diesem kurzen Text möchte ich einen Aspekt, der die Idee
der EU ausmacht, herausgreifen: Das Europa der Nationen soll sich in
ein Europa der Regionen wandeln. Der wesentliche Unterschied zwischen Nationen und Regionen liegt wohl im Vorhandensein oder Fehlen von Grenzen. Während man als Bürger von Deuschland vor wenigen Jahren noch lange Zeiten in Autoschlangen vor der italienischen Grenze verbringen musste, ermöglicht einem die EU in Verbindung mit dem Schengener Abkommen einen Grenzübertritt, der allenfalls noch an den plötzlich grünen Schildern entlang der Autobahn zu erkennen ist. Die langfristige Vorbereitung sowie die Kleingruppenarbeit in Cassel haben uns beigebracht, dass an den Grenzen zwischen EU und Nicht-EU nach wie vor kontrolliert wird. Das haben soweit auch alle Teilnehmer verstanden. Bei der Abfahrt in Godesberg waren daher auch alle Ausweise kontrolliert worden, bis auf eine Ausnahme: Ein Gruppenleiter, der von seinen Eltern direkt nach Cassel gebracht worden war. Dementsprechend große Überraschung war dann auch bei Helmut und mir, die wir für einen der beiden Reisebusse verantwortlich waren, dass dieser Gruppenleiter weder Personalausweis noch Reisepass bei sich hatte. Unsere Bemühungen, die Grenzbeamten davon zu überzeugen, dass doch eine Ausweiskopie genüge, blieben ergebnislos. Eine Situation, wie man sie sich besser kaum vorstellen kann: Wir als älteste Gruppenleiter standen mit einem Bus voller Jugendlicher um halb vier morgens vor der Tschechischen Grenze. Nun galt es, einen Reisepass zu organisieren und sämtliche Kinder zu versorgen. Hinzu kam, dass sich die beiden Busfahrer nicht sicher waren, bis wann sie den Zielort spätestens erreicht haben mussten, um nicht gegen die Lenkzeitbestimmungen zu verstoßen. In einem kleinen Ort nahe der deutsch-tschechischen Grenze parkten wir den Bus auf einem Seitenstreifen und überredeten die Grumis mit viel Geduld noch ein paar Stündchen zu schlafen. Unterdessen machten wir uns auf die Suche nach einem Rathaus, das wir auch bald fanden. Gegen alle Erwartungen war es um halb fünf morgens noch geschlossen. Auch einen Supermarkt für Wasser und Brot (in den folgenden Tagen in Prag war die Verpflegung deutlich besser) fanden wir bald. Auch ein Anruf von Marcel ließ hoffen: Für Fahrer, die zu zweit einen Bus lenken, ist die Schichtzeit um 7 Stunden verlängert, da sich eben die Arbeit teilen. Während der eine Fahrer den Bus lenkt, kann der andere in einer gesondert dafür ausgestatteten Kabine schlafen. Die Busfahrer waren sich aber nicht sicher. Nun galt es herauszufinden, ob diese Bestimmung existierte oder nicht. Also machten wir uns auf den Weg. Vom Rathaus ging es zur Polizei, die uns freundlich mitteilte, dass sie keine Ahnung habe, wie die Lenkzeitbestimmungen aussehen. Aber eine Telefonnummer, die uns der Polizist an die Hand gab, erwies sich als nützlich. Bei einer Verkehrsüberwachungsbehörde konnten wir herausfinden, dass es diese Bestimmung tatsächlich gab. Von dieser Seite aus also grünes Licht. Mittlerweile war es halb acht und wir gingen erst einmal ausgiebig (!) shoppen. Verpflegung für 50 Personen war bald besorgt. Während sämtliche Kinder im Bus rustikal frühstückten, gingen Helmut und ich einen großen starken Kaffee trinken. Schließlich wurde es acht Uhr und das Rathaus öffnete seine Pforten. Ein Beamter begrüßte und mit breitem Grinsen uns dem Satz: „Ihr habt wohl ein Passproblem..." Diese Formalitäten verwaltungstechnischer Art sind wohl schnell zu erledigen, dachten wir... Es stellte sich heraus, dass zur Austellung eines Reispasses die Passvollmacht der Heimatbehörde sowie die Einverständniserklärung der Eltern erforderlich sind. Nun waren beides, die Heimatbehörde und die Eltern, etliche hundert Kilometer weit entfernt. Da ich selbst aus dieser Gemeinde stamme, kannte ich den entsprechenden Sachbearbeiter flüchtig. So kümmerte sich der Sachbearbeiter selbst um die Einverständniserklärung der Eltern. Nach sechs Stunden und einer schlaflosen Nacht saßen wir schließlich wieder im Bus und fuhren Richtung Prag, während die Gruppe aus dem anderen Bus bereits im Hotel in Jicin das süße Urlaubsleben genoss. Wie genau wir in Jicin ankamen, vermag ich nicht mehr zu sagen, da ich - wieder im Bau angekommen - unmittelbar in einen komatösen Tiefschlaf fiel. Jan Schmickler |