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Projektorientierte Leiterrundenarbeit Drucken E-Mail
Geschrieben von Marcel   
Etwa 15 Wochenenden, Lager, Fahrten und Schulungen stehen auf dem Jahresprogramm der zwei Bonner Stadtgruppen St. Michael und Sophie Scholl. 70-80 Veranstaltungstage im Jahr, die von den 50 GruppenleiterInnen inhaltlich und organisatorisch vorbereitet werden müssen.

Der Erfolg der Veranstaltungen hängt sehr stark von einer guten Vorbereitung, der Motivation der Gruppenleiter und der Zusammenarbeit im Leitungsteam ab. Wann und wie werden die Veranstaltungen terminlich und konzeptionell geplant? Wann beginnt die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung? Wer ist daran beteiligt? Welche Zuständigkeiten be-stehen ganzjährig, welche nur für einzelne Projekte? Wie werden die Gruppenleiter auf spezielle Aufgaben vorbereitet? Diese und andere Fragen möchte ich anhand von drei Beispielen, einem Wochenende in unserem Selbstverpflegungshaus in der Eifel, einer themenorientierten Herbstfahrt und einer Osterfahrt nach Griechenland aufgreifen.

Im Mai jeden Jahres wird das Jahresprogramm für das kommende Schuljahr und den darauf folgenden Herbst von allen GruppenleiterInnen terminlich und konzeptionell unter Berücksichtigung der Erfahrungen des Vorjahres geplant. Gleichzeitig wird festgelegt, unter welchen Schwerpunktthemen die wöchentlichen Leiterkonferenzen stehen. Etwa 75% der Termine stehen für die Vorbereitung der einzelnen Veranstaltungen zur Verfügung, die übrigen u.a. für die wöchentliche Gruppenarbeit. Kurzfristige Mitteilungen und Terminänderungen werden an die 40 GruppenleiterInnen per Rund-SMS und im KSJ-Forum weitergegeben.

Für die Mitgliederverwaltung, die Buchhaltung, die Beantragung öffentlicher Zuschüsse und die Geschäftsführung gibt es aufgrund der verhältnismäßig langen Einarbeitungszeit feste Zuständigkeiten, alle anderen Aufgaben werden projektbezogen besetzt. Die LeiterInnen der einzelnen Jahrgangsgruppen sind natürlich auch während der Veranstaltungen die ersten Ansprechpartner für ihre Grumis (Gruppenmitglieder). Die beiden Stadtgruppenleitungen, die aus bis zu zehn gewählten Mitgliedern bestehen, tragen die Verantwortung dafür, dass die geplanten Veranstaltungen nur dann angeboten werden, wenn sich genügend GruppenleiterInnen an ihnen beteiligen und niemand überfordert sowie der Zeitplan der Vorbereitungen eingehalten wird.

Das Wochenende (etwa 40 - 60 Teilnehmer):

Den einzelnen Jahrgangsgruppen (Runden) wird in jedem Halbjahr die Möglichkeit geboten, ein Wochenende, das die Leiter zusammen mit ihren Grumis während den Gruppenstunden vorbereiten, in unserem Selbstverpflegungshaus in Cassel (Eifel) zu verbringen. In einer Leiterkonferenz etwa zwei Monate vor einem solchen Wochenende treffen sich alle beteiligten Leiter zu den ersten konzeptionellen und organisatorischen Absprachen. Nach dem Anmeldeschluss, etwa zwei Wochen vorher, wird im Rahmen einer Leiterkonferenz von den Leitern der einzelnen Jahrgangsstufen das Programm vorgestellt und alle offenen Fragen geklärt. An dem Treffen nehmen neben den verantwortlichen Rundenleitern alle Gruppenleiter teil, die eine Aufgabe für das Wochenende übernommen haben. Dem Küchenteam werden die Planung und der Einkauf dadurch erleichtert, dass wir in Cassel die wichtigsten Grundnahrungsmittel als Vorräte lagern können und die anderen Lebensmittel größtenteils angeliefert werden. Die Preise sind langfristig ausgehandelt, für die Bestellungen stehen spezielle Formulare zur Verfügung. Die Anmeldungen werden nach Eingang von den Jungendlichen, die für die Mitgliederverwaltung verantwortlich sind, in unserer Datenbank erfasst. Die Teilnehmerlisten können so jederzeit aktualisiert ausgedruckt werden.


Die themenorientierte Herbstfahrt (etwa 80 - 100 Teilnehmer ab Jahrgang 5):

Beispiel 2002: „Im Osten viel Neues - Eine Reise durch den Osten der Bundesrepublik". Unter diesem Thema stand die diesjährige Herbstfahrt. Wir wollten uns nicht nur mit den Unterschieden der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik und mit Veränderungen seit der Wiedervereinigung beschäftigen, sondern auch die Orte und Menschen besuchen, an und von denen wir uns Antworten auf zahlreichen Fragen erhofften. Die TeilnehmerInnen konnten sich vor Ort mit sozialen, arbeitsweltbezogenen, bildungspolitischen, touristischen, ökologischen und ökonomischen Fragen unter Berücksichtigung der ungleichen geschichtlichen Entwicklung der alten und der neuen Bundesländer auseinandersetzen.

Thema, Konzeption, Zielsetzung und der grobe Ablauf der Herbstfahrten werden jedes Jahr im Januar oder Februar mit allen GruppenleiterInnen abgesprochen. In den nächsten Monaten werden dann von Mitgliedern der Stadtgruppenleitung und älteren Gruppenleitern zahlreiche Ausschreibungen an Busunternehmen und Gruppenhäuser verschickt. Unterkünfte, die in die engere Auswahl kommen, erhalten dann noch einen Fragebogen, um einen genauen Überblick über deren Ausstattung zu erhalten. Zu den abgesprochenen Themenschwerpunkten werden Materialien gesammelt, Exkursionsziele oder Gesprächspartner gesucht, Programmvorschläge und deren methodische Umsetzung erarbeitet sowie das Schulungs- und Vorbereitungswochenende für die GruppenleiterInnen geplant. Über den Stand der Vorbereitungen wird regelmäßig in den Leiterkonferenzen berichtet und Änderungswünsche und Ideen der übrigen GruppenleiterInnen eingeholt. Etwa sechs Wochen vor der Herbstfahrt fahren wir dann ein ganzes Wochenende nach Cassel, um in aller Ruhe die Veranstaltung inhaltlich vorzubereiten, organisatorische Dinge zu klären sowie pädagogische Fragen zu besprechen. Für die Leitung der Kleingruppen und anderer Programmangebote sind themenbezogene und methodische Kenntnisse erforderlich, die von den älteren Gruppenleitern vermittelt oder gemeinsam erarbeitet werden. Die letzten vier Leiterkonferenzen vor den Herbstferien sind dann nur noch für die Herbstfahrt reserviert.

An einer solchen Herbstfahrt sind etwa 30 - 40 GruppenleiterInnen beteiligt. Daher ist es unerlässlich, genaue Zuständigkeiten und Kommunikationswege abzuklären. Sollten irgendwelche Probleme (Streit, Fehlverhalten, ...) auftreten, sind die Rundenleiter zu informieren. Die Rundenleiter nehmen sich entweder selbst der Sache an oder bitten einen älteren Gruppenleiter um Unterstützung. Vor jeder Programmeinheit treffen sich alle an ihr beteiligten GruppenleiterInnen zu letzten Absprachen und Detailplanungen. Nach der Nachtruhe der Kinder steht dann für die Gruppenleiter die Tagesreflexion und die Planung des nächsten Tages an.

Die Osterfahrt (etwa 80 Teilnehmer ab Jahrgang 6):

Beispiel 2002: In den letzten Jahren haben wir mit der Kombination eines attraktiven Freizeitprogramms mit der gemeinsamen Vorbereitung und Feier der Kar- und Ostertage sehr gute Erfahrungen gemacht. Auch Kreta sollte möglichst wieder alle Erwartungen einer Griechenlandfahrt erfüllen: Faszinierende und abwechslungsreiche Landschaften, alte Bergdörfer, malerische Hafenstädte, tiefe Schluchten, bizarre Bergformationen und endlose Sandstrände sowie antike Baudenkmäler, minoische Stätten und orthodoxe Klöster. Wir wollten ganz unterschiedliche Landschaften mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit dem Bus entdecken. Während der ganzen Tour (An- und Abreise und in Griechenland) standen uns zwei Busse mit großen Anhängern (Fahrräder, Materialien, Lebensmittel) zur Verfügung.

Über das Ziel der nächsten Osterfahrt verständigen wir uns in jedem Jahr kurz vor oder nach den Sommerferien. Dann beginnt die organisatorische Vorbereitung. Einige Gruppenleiter nehmen während einer Sommerfahrt oder in den Weihnachtsferien Campingplätze, Jugendherbergen und Apartmenthäuser unter die Lupe, testen Fahrradtouren und Wanderungen, suchen schöne Strände, ...

Ende Januar treffen sich dann alle GruppenleiterInnen zu einem Vorbereitungs- und Schulungswochenende in Cassel. Neben der Programmplanung klären wir ab, welche Aufgaben die GruppenleiterInnen unter Berücksichtigung pädagogischer, rechtlicher und organisatorischer Aspekte in den unterschiedlichen Situationen wahrzunehmen haben und wie sie sich in Problemfällen verhalten sollen. Welche Anforderungen stellt eine Badeaufsicht am Strand? Warum ist bei einer Übernachtung auf Deck einer Fähre eine durchgehende Nachtwache erforderlich? Wie leite ich eine Fahrrad- oder Wandergruppe? Wie vermeide ich, dass jemand die Gruppe verliert und was unternehme ich, wenn es dann trotzdem passiert?

Eine wichtige Grundlage stellen die „Vereinbarungen für die Osterfahrt" dar, in denen wir wichtige Regeln (Busfahrten, Fährpassagen, Unterkünfte, Essen, Radtouren, Wanderungen, Tiere, Schwimmen, Stadtbummel, Alkohol, Nikotin, ...) für die GruppenleiterInnen und TeilnehmerInnen zusammengestellt und begründet haben. Die Ausgabe des Vorjahres wird aufgrund der gesammelten Erfahrungen überarbeitet und ergänzt.

Für die einzelnen Aufgabenbereiche, z.B. Catering, Logistik (Verwaltung der Lebensmittel), Tetris (Gepäckverladung) u. a., werden verschiedene Teams gebildet. Die RundenleiterInnen sind wie bei den anderen Fahrten die Ansprechpartner der Kinder und Jugendlichen, die Hauptverantwortung der jahrgangsübergreifenden Rad- und Wandergruppen wird volljährigen Gruppenleitern übertragen.

Weitere Details werden in den verbleibenden zwei Monaten bis zum Start in zwei oder drei weiteren Leiterkonferenzen geklärt.

Zwei Wochen vor der Fahrt laden wir dann alle TeilnehmerInnen nach Cassel ein. Wir reisen in den Fahrrad- und Wandergruppen an, um unsere Kondition zu verbessern und in Cassel den Zustand der Fahrräder testen zu können. In Cassel zeigen wir Dias mit Informationen über die Strecke und die Region, informieren z. B. mit Hilfe eines Postenlaufes und einer Quizshow über unser Reiseland, treffen Absprachen, erklären und begründen wichtige Regeln und beantworten Fragen. Den Kindern und Jugendlichen bieten wir nach der Programmvorstellung die Möglichkeit, Änderungsvorschläge zu äußeren.

Aber auch während der Osterfahrt und unseren anderen Veranstaltungen spielen die Wünsche der Teilnehmer eine sehr große Rolle. Vor dem Abendimpuls treffen sich alle zu einer gemeinsamen Tagesreflexion, die für positive wie negative Kritik, Dank und Beschwerden sowie Verbesserungsvorschläge genutzt werden kann und genutzt wird. Die Beiträge der Grumis werden dann in der Reflexion der GruppenleiterInnen aufgegriffen. Sollten Programmänderungen von den TeilnehmerInnen gewünscht werden, werden diese den Grumis strukturiert zur Abstimmung gestellt, sofern denen aus Sicht der Gruppenleiter keine ernsten Gründe entgegenstehen.

Kurz vor dem Ende jeder Ferienveranstaltung verteilen wir Fragebögen, auf denen die Teilnehmer und Grumis die Fahrt insgesamt, aber auch die einzelnen Programmpunkte, die Unterkunft, die Verpflegung, das Verhältnis zwischen Programm und Freizeit, die Stimmung u. v. m. anonym bewerten können. Diese Umfragen liefern wichtige Erkenntnisse für die Reflexion im Leitungsteam und die Vorbereitung zukünftiger Veranstaltungen.

 für das Werkheft  „Ideenreich" des KSJ-Bundesverbandes im Dezember 2002