| Herbstferien 1997 - Verkehrskonzepte für das 21. Jh. |
| Geschrieben von Marcel | |
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Mit einer „Schönes-Wochenend-Ticket"-Rallye wollten wir einerseits dem
Bedürfnis der Teilnehmer nach einer Verbindung von thematischen und
spielerischen Elementen Rechnung tragen, andererseits die Kinder und
Jugendlichen aller Altersgruppen dazu anregen, Informationen
selbständig zu recherchieren und sich im Rahmen eines Vergleichs mit
den Vorzügen und Nachteilen der verschiedenen Verkehrsmittel
auseinanderzusetzen. Am Abend vor der Rallye sollten sich die Teilnehmer nach einigen Regelhinweisen einer von fünf Gruppen mit höchstens 15 Mitgliedern zuordnen. Jede dieser Gruppen hatte neben dem allgemeinen Fragen- und Aufgabenkatalog ein Exkursionsziel, wie die Besichtigung der Leitstelle der Stadtwerke Frankfurt, der ADAC-Notrufstation in Groß-Gerau oder ein kleiner Rundgang durch die fahrradfreundliche Stadt Troisdorf mit dem ADFC, anzusteuern. Die Aufteilung bereitete den Kindern und Jugendlichen kleinere Schwierigkeiten, da keiner Gruppe wegen der Nutzung des „Schönes-Wochenend-Ticket" mehr als 15 Personen angehören durften. Nach 15 Minuten waren aber auch diese gelöst. Nach dem Frühstück am Sonntag und der Möglichkeit, sich Lunchpakete zusammenzustellen, startete die Gruppe um 10.15 Uhr mit einem Reisebus und unserem Kleinbus Richtung Bahnhof Koblenz. Weder Cassel noch die umliegenden Dörfer sind an das Schienennetz angeschlossen. Die Gruppen durften mit den „Schönes-Wochenend-Tickets" alle Nahverkehrszüge ohne Beschränkung benutzen. Einzige Vorgaben der Spielleitung waren die Einhaltung der Besichtigungstermine sowie der Treffpunkt um 20.30 Uhr im Pfarrzentrum von St. Ignatius in Frankfurt, in dem wir übernachten wollten. Frankfurt hatten wir als Ziel ausgewählt, da viele Aufgaben im Frankfurter Flughafen und im Hauptbahnhof gelöst werden konnten. Während der Fahrt nach Koblenz verteilten die verantwortlichen Kleingruppenleiter die Mappen mit den Fragen und Aufgaben an alle Teilnehmer, damit sich jeder selbständig einen Überblick verschaffen konnte. Wir hatten darauf hingewiesen, dass es unmöglich ist, in der vorhandenen Zeit alle Aufgaben zu lösen, sodass die Gruppen nach ihren Interessen und dem Schwierigkeitsgrad selbst eine Auswahl treffen konnten. Die mögliche Punktezahl war etwa dem Schwierigkeitsgrad angepasst und entsprach dem geschätzten Zeitaufwand in Minuten. Wir hatten den Verkehrsmitteln Luft-, Bahn-, Straßenverkehr und dem Fahrrad sowie dem Thema Umwelt und Verkehr analog zu den Arbeitskreisen im Herbstlager jeweils eigene Kapitel gewidmet. Allgemeine Aufgaben und die Spezialaufgabe verlangten teilweise Transferleistungen aus den vorherigen Aufgabenstellungen. Etwa ein Viertel der Fragen konnten die Teilnehmer mit den beiliegenden Informationsmaterialien während der Bahnfahrt bearbeiten. So konnten die Kinder und Jugendlichen mit den angegebenen Formeln den Energiebedarf in Megajoule für die Anreise mit den einzelnen Verkehrsmitteln (Bahn/Wanderung, Bus, Fahrgemeinschaften) nach Cassel berechnen oder eine Punkteverteilung auf die einzelnen Bewertungskriterien für den Reisekomfort vornehmen. Die Frage nach dem günstigsten Fahrpreis von Frankfurt nach Innsbruck lieferte Preisunterschiede von fast 100%. Auch wenn der Aufgabensteller die Rahmendaten so angepasst hatte, dass die Kombination aus zwei Tarifarten zu einem besonders günstigen Preis führten, hätte die Berechnung für die Mitarbeiter der Deutschen Bahn AG kein Problem sein dürfen. Nur eine von fünf Gruppen hatte den günstigsten Fahrpreis genannt bekommen. Mit der Qualifizierung, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Angestellten der einzelnen Verkehrsmittel machten die Kinder und Jugendlichen sehr unterschiedliche Erfahrungen. Eine Lufthansa-Mitarbeiterin wusste auf die Frage, was man unter einer vinkulierten Namensaktie verstand und warum die Umstellung erforderlich wurde, keine Antwort und rief kurzerhand ihren Mann an, um der Gruppe weiterzuhelfen. Ein Mitarbeiter der DB AG versuchte seine Hilfslosigkeit nach der Frage, wie viele Bahnhöfe (Gesamtzahl) und elektronische Stellwerke (Anteil) es gäbe, mit dem unfreundlichen Hinweis zu verdecken, dass Umfragen genehmigungspflichtig seien. Die Spezialaufgabe bereitete den Jugendlichen einige Schwierigkeiten. Sie sollten die schnellste und umweltfreundlichste Reiseart nach Kreta auflisten. Auf die Überlegung, eine möglichst große Distanz mit einem Fährschiff zu bewältigen und die Reststrecke mit der Bahn oder einem Reisebus zurückzulegen, ist keine Gruppe gekommen, obwohl die Formeln vorher angeben waren. Eine Gruppe hatte von einer Mitarbeiterin einer Fluggesellschaft sogar den Luftweg als umweltfreundlichste Reiseart genannt bekommen. Neben einer sehr intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Verkehr haben die Jungen und Mädchen durch einen altersübergreifenden Meinungsaustausch zudem sozialen Umgang miteinander gelernt. Die Jugendlichen konnten dabei wichtige Schlüsselqualifikationen weiterentwickeln. Dazu gehören Selbständigkeit, Kreativität, soziale Kompetenz, Team- und Kommunikationsfähigkeit, Kritikfähigkeit und -bereitschaft, Organisationstalent, Zukunftsorientierung, Lernbereitschaft, Einarbeitungsfähigkeit in neue Aufgaben und Problemstellungen und die Fähigkeit, komplexe Probleme strukturieren zu können, sowie die Sensibilität für ihre Mitmenschen und die Umwelt. Die Aktionen der KSJ, wie diese „Schönes-Wochenend-Ticket"-Rallye, bieten dafür ein ideales Experimentierfeld, ohne dass die Kinder und Jugendlichen damit überfordert oder die Risiken zu hoch wären. Die Möglichkeit, dass Teilnehmer ihre Gruppe verlieren könnten, hatten wir zum Beispiel bei der Planung berücksichtigt. Deshalb erhielten alle Teilnehmer die Nummern von zwei Bereitschaftstelefonen. Zwei Teilnehmer, die Ihre Gruppe verloren hatten, wurden innerhalb weniger Minuten von ihrer Gruppe abgeholt. Die Besichtigungs- und Gesprächstermine ermöglichten den Kindern und Jugendlichen am darauf folgenden Tag einen sehr guten Einblick in einzelne Bereiche der Deutschen Bahn AG. Die Teilnehmer konnten sich eine Kleingruppe nach den persönlichen Interessen aussuchen: Der Personenbahnhof Frankfurt mit 3-S-Zentrale (Service-Sicherheit-Sauberkeit), der Betriebshof Frankfurt mit der Wartung und Reparatur von E-Loks, der Betriebshof Werk Greisheim mit Wartung und Reinigung von S-Bahnen, die Betriebsleitung Frankfurt mit regionaler Zugüberwachung und das Elektronische Stellwerk Hanau standen zur Auswahl. Diese Kleingruppenexkursionen sind auf so großes Interesse gestoßen, da sich die eigenen Beobachtungen im Rahmen von Besichtigungen oder Rundgängen mit den Erläuterungen gegenseitig sinnvoll ergänzten. Nach den Besichtigungen stand uns Herr Dr. Jürgen Kastner, ein Beauftragter der Konzernleitung der DB AG, nach einem kurzen Vortrag für unsere Fragen, Anregungen und Beschwerden zur Verfügung. Einige Teilnehmer berichteten auch von ihren Erfahrungen während der „Schönes-Wochenend-Ticket"-Rallye. Im Anschluss daran konnten die Kinder und Jugendlichen entweder an einem Rundgang durch den Frankfurter Flughafen mit dem Verein „Geographie für alle" oder an einer Führung durch das Opelwerk in Rüsselsheim teilnehmen. |