Sommerferien 2004 - ”Eine Welt - Warum wir von dieser Vision immer noch so weit entfernt sind”
Geschrieben von Marcel   
Jugend hilft Jugend - So lautete das Motto einer zweitägigen Info-Tour der Godesberger KSJ

Die Katholische Studierende Jugend in Godesberg (Region Bonn) unterstützt in Zusammenarbeit mit einem Bonner Hilfsverein eine bischöfliche Internatschule in der demokratischen Republik Kongo. 1993 sollte diese Schule geschlossen werden, weil die Diözese Kenge aufgrund der galoppierenden Inflation und der miserable wirtschaftliche Lage im Land die Schule nicht mehr unterhalten konnte. Dieser Hilferuf erreichte die „Kenge-Hilfe”,einen Hilfsverein, den 1986 die Eheleute Müller-Chorus, Eltern ehemaliger KSJler, gegründet hatten. Das außerordentliche Engagement der Gründer stellt bis heute sicher, dass jeder gespendete Euro in voller Höhe ohne Abzug von Verwaltungs- und Personalkosten in den Kongo weitergeleitet werden kann.

Mit zahlreichen Sammelaktionen, Kollekten und der Erstellung einer Internetseite unterstützt die KSJ seit über 10 Jahren die Internatschule. Diese Patenschaft hat aber auch zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit der Lebenssituation gleichaltriger Schüler im Kongo geführt. Die konkreten Beispiele aus dem Kongo erleichtern es gerade jüngeren Kindern, die Probleme der sog. Entwicklungsländer und deren Ursachen verstehen zu lernen.


Die bewährten ganzheitlichen und praktischen Formen des Lernens (Sehen - Urteilen - Handeln) gewährleisten es genauso wie bei anderen Bildungsprojekten, dass die Kinder und Jugendlichen die Informationen nicht nur als wertneutrale Nachrichten unter vielen aufnehmen, sondern sich, orientiert an christlichen Werten, ein eigenes Urteil bilden und nach Möglichkeiten suchen, ihr eigenes Verhalten zu überdenken oder sich für andere einzusetzen.

Eine besondere Herausforderung ist es jedes Mal, Kinder und Jugendliche zu motivieren, sich in den Ferien mit diesen Themen zu beschäftigen. "Eine Welt - Warum wir von dieser Vision immer noch so weit entfernt sind". So lautete des Thema einer sechstägigen Aktion in den Sommerferien 2004, an der 91 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 17 Jahren teilgenommen haben.

Zu Beginn erläuterten die Gruppenleiter in Kleingruppen am Beispiel des Kongos die Probleme der Entwicklungsländer, mögliche Ursachen und Ansätze zu deren Bewältigung. Nachmittags stand dann ein themenorientiertes Geländespiel zum internationalen Handel auf dem Programm.

Den Höhepunkt der Veranstaltung stellte aber eine große Promotion-Tour dar. Die Kinder und Jugendlichen sollten auf belebten Plätzen in Nordrhein-Westfalen die Lebenssituation der Kinder im Kongo aufzeigen, für ihre Interessen werben und Geld für den Bau eines Mädcheninternates sammeln.

Dazu wurden die Teilnehmer in zwei Aktions-Gruppen aufgeteilt, jeder stand für zwei Tage ein Reisebus zur Verfügung, mit dem sie Städte ihrer Wahl anfahren konnten. Bereits im Vorfeld hatte sich die KSJ bei etwa 50 Stadtverwaltungen um eine Sondernutzungserlaubnis für belebte Fußgängerzonen und zentrale Plätze bemüht. Die Busse dienten dort als Blickfang und “Plakatwand“. In den beiden Gruppen überlegten die Teilnehmer vor der eigentlichen Tour, wie sie möglichst viele Bürger erreichen und zu einer Spende bewegen könnten. Sie einigten sich auf die Städte, die sie anfahren wollten, erstellten Plakate, informierten die Presse und bereiteten eine große Auftaktveranstaltung vor, an der auch viele Eltern und Geschwister teilnahmen. Alle Teilnehmer erhielten für die beiden Tage jeweils ein Aktions-T-Shirt. Nach den zwei Tagen stellten dann die Gruppen ihre Erlebnisse in der gemeinsamen Abschlussveranstaltung vor.

Alleine schon das Sammelergebnis von 4.408,73 Euro kann sich sehen lassen. Die Bewertung der Aktion durch die Teilnehmer mit 8,9 von 10 Punkten zeigt, dass es der KSJ mit diesem Event offensichtlich gelungen ist, Inhalte und Spaß erfolgreich miteinander zu verbinden. Das Wichtigste dürften aber die persönlichen Erfahrungen sein, die jeder Teilnehmer in den sechs Tagen gesammelt hat.