| Info-Tour für die Kenge-Hilfe Sommer 2004 |
| Geschrieben von Marcel | |
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Jugend hilft Jugend - So lautet das Motto einer zweitägigen Info-Tour
der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) am 2. und 3. August 90 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren aus Bonn und Umgebung beteiligen sich an zwei außerschulischen Ferienprojekten der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) zu den Themen "Total global - Chancen und Risiken einer globalisierten Welt" und "Eine Welt - Warum wir von dieser Vision immer noch so weit entfernt sind". Bei der zweiten Veranstaltung beschäftigen sich die Kinder und Jugendlichen mit den grundlegenden Problemen der sog. Entwicklungsländer und den Ursachen der Entwicklungsdefizite. Im Rahmen einer großen Info-Tour fahren die Teilnehmer vom 2. bis 3. August in zwei Gruppen mit Reisebussen verschiedene Städte in Nordrhein-Westfalen an, um über die Lebenssituation von Schülern im Kongo zu informieren und gleichzeitig für die Internatschule und andere Projekte der Kenge-Hilfe zu sammeln. Durch die gemeinsame Vorbereitung dieser Aktion in den Kleingruppen und zahlreiche Gespräche mit Bürgern setzen sich die Kinder und Jugendlichen mit der Situation im Kongo auseinander und engagieren sich für Gleichaltrige in diesem Land. Jeder Teilnehmer erhält zwei T-Shirts der Aktion, eins davon wird später im Internet zugunsten der Kenge-Hilfe versteigert (www.ebay.de und www.hood.de, Suchbegriff und Mitgliedsname "kenge-hilfe"). Der Kenge-Hilfe e.V. hat sich das Ziel gesetzt, in der Demokratischen Republik Kongo nachhaltige Entwicklungshilfe zu leisten. Um eine höchst mögliche Effizienz zu erreichen, beschränkt sich der Verein auf ein begrenztes Wirkungsfeld innerhalb des Landes. Der Verein ist vorwiegend in einer Diözese im Westen des Landes, deren Bischofssitz Kenge ca 280 km von Kinshasa entfernt liegt, tätig. In Kooperation mit dem BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) und Kindermissio in Aachen (Sternsingeraktion) verwirklicht die Kenge-Hilfe eine Vielzahl von Projekten. Der Hilfsverein wurde von den Eltern dreier ehemaliger Mitglieder gegründet und heute noch mit sehr großem ehrenamtlichen Engagement geleitet. Dadurch ist sichergestellt, dass jeder gespendete Euro in voller Höhe ohne Abzug von Verwaltungs- und Personalkosten in den Kongo weitergeleitet werden kann. Die KSJ unterstützt die Kenge-Hilfe seit 1995. Informationen über die Projekte der Kenge-Hilfe Bildung Internatsschule Katende In Katende, 7 km vom Bischofsitz Kenge entfernt, gibt es seit 1978 ein bischöfliches Gymnasium mit Internat, das die besten Schüler aus der Diözese zum Abitur führt. 1993 musste diese Schule geschlossen werden; die galoppierende Inflation und die miserable wirtschaftliche Lage im Land (unerlässliche Elternbeiträge!) machten den weiteren Unterhalt unmöglich. Ein Hilferuf erreichte die „Kenge-Hilfe" und dank zahlreicher übernommener Schülerpatenschaften (100 / Jahr) aus Deutschland konnte die Schule ein paar Monate später wieder geöffnet werden. Gemeinsam mit der Hilfsorganisation Kindermissio konnten im letzten Jahr 50 dringend nötige Betten für Internatsschüler und 2004 eine Solaranlage finanziert werden. Nun können Schüler und Lehrer auch nach Einbruch der tropischen Nacht um 18.00 Uhr noch arbeiten. Zur Unterstützung der Schule ist die Kenge-Hilfe dringend weiter auf Schülerpatenschaften angewiesen. Ein erfolgreicher Absolvent der Schule betreibt nun die Firma, die die Sonnenkollektoren für die Beleuchtung auf dem Internat und auf der Gesundheitsstation in Kitenda installiert. Hauptschule Kitenda In Kitenda steht bislang kein festes Schulgebäude zur Verfügung. Die Gemeinde liegt im abgelegensten südlichen Teil der Diözese und ist von der Außenwelt quasi abgeschnitten. Die Kinder und Jugendlichen werden in einer Hütte aus Stroh und Lehm unterrichtet, die immer wieder nach den fast täglichen tropischen Regenschauern von Eltern und Lehrern geflickt werden muss. Die Menschen dieser Gemeinde sind sehr arm und werden ein Schulgebäude niemals selbst finanzieren können. Die Bevölkerung ist jedoch bereit am Bau selbst zu helfen. Kindermissio hat sich bereit erklärt, 2005 in Kitenda ein festes Schulgebäude zu errichten, wenn die „Kenge-Hilfe" sich mit 50% daran beteiligen kann. Jugendzentrum St. Félix Auch in der Hauptstadt des Landes ist die Situation kritisch. In Kinshasa leben viele Jugendliche auf den Straßen und nicht wenige rutschen ab in die Kriminalität, da dies für sie der einzige Ausweg aus der Armut zu sein scheint. Die Lage in Kinshasa ist so prekär, dass sich die Kenge-Hife entschloss, außerhalb der Diözese Kenge ein Hilfsprojekt der Steyler Missionare zu unterstützen: Das vom Staat beschlagnahmte, dann verwahrlost wieder zurückgegebene Jugendzentrum St. Félix brauchte sanitäre Anlagen, Küche und Mobilar und bildet in Wochenend- und Fortbildungskursen Jugendliche aus. So kann es gelingen, den Teufelkreis zwischen fehlender Bildung, Armut und Kriminalität zu durchbrechen. Schlafsaal für Mädchen einer höheren Schule In Pont Kwango/Diözese Kenge, wo sich einige Straßen aus dem Landesinneren treffen, konnten in der Vergangenheit einige Schulen eingerichtet werden. Die Jugendlichen kommen aus der Umgebung um hier die Schule besuchen zu können. Es bestehen jedoch keine Übernachtungsmöglichkeiten. Manche Jugendlichen kommen in Familien vor Ort unter, doch viele schlafen nachts unter freiem Himmel. Auf offener Straße kommt es oftmals zu Vergewaltigungen und damit zu ungewollten Schwangerschaften. Viele Mädchen sehen sich gezwungen abzutreiben. Da die medizinische Versorgung unzureichend ist und keine hygienischen Standards eingehalten werden können, breiten sich venerische Krankheiten, vor allem Aids, rasend schnell aus. Um diese unhaltbare Situation zu entschärfen, müssen wenigstens für die Mädchen der Schule Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Kosten für einen solchen Schlafsaal werden auf 28.000 beziffert. Die „Soers de Marie Reine de la Paix", ein Schwesternorden vor Ort, würden die Verantwortung für die menschliche und intellektuelle Betreuung der Mädchen, sowie für die Betreuung des Internats übernehmen. Sie sind jedoch für den Bau eines Schlafsaals dringend auf unsere Spenden angewiesen. Gesundheit Gesundheitsstation Kitenda In den meisten Regionen der Dem. Republik Kongo ist die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung äußerst kritisch. Es gibt fast keine Krankenhäuser oder andere Gesundheitsstationen. Während in Deutschland für 300 bis 400 Bürger ein Arzt zur Verfügung steht, kommt im Kongo auf ca. 5000 Einwohner ein Arzt. Auch Medikamente stehen in zu geringen Mengen zur Verfügung und sind von den meisten nicht bezahlbar, so dass die Versorgung der Bevölkerung nicht gewährleistet werden kann. Besonders leiden unter dieser Situation schwangere Frauen, die auf dem oft tagelangen Marsch zur nächsten Gesundheitsstation manches Mal sterben. Die Kenge-Hilfe versucht diese untragbare Situation zu entschärfen. Mit finanzieller Unterstützung des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ist es der Kenge-Hilfe gelungen eine Gesundheitsstation in Kitenda zu errichten. Nun stehen den Menschen dort Medikamente und Krankenbetten zur Verfügung. Eine Regenwasserzisterne und eine Latrine garantieren ein Mindestmaß an Hygiene. Doch ständig muss der Medikamentenvorrat aufgefrischt sowie die Pfleger bezahlt werden. Gerade in diesen Wochen (Juli 2004) wird eine Solaranlage montiert, die die Krankenstation mit Licht und einen Kühlschrank zur Aufbewahrung von Medikamenten (vor allem Impfstoffe für Kinder) mit dem nötigen Strom versorgt. Anschaffung zweier Außenbordmotoren Zu Pont Kwango zählen 12 weitere Untergemeinden, von denen 3 nur über den Fluß Kwango zu erreichen sind. Es existieren keine Straßen, die für Fahrzeuge gangbar wären. In dieser Abgeschiedenheit leben 6.000 Menschen, davon 4.500 Kinder. Diese Menschen müssen tagelang laufen oder auf selbstgefertigten Bahren getragen werden, um eine Gesundheitsstation zu erreichen und oft ist es zu spät, bis sie dort ankommen. Die Versorgung mit Medikamenten und Lebensgütern ist prekär. Zwei Boote, die bereits vorhanden sind, könnten den Anschluss an die Außenwelt leisten, vorausgesetzt, diese Boote werden mit Außenbordmotoren ausgestattet. Die Kosten für diese Anschaffung belaufen sich auf 5.500 . Diese Investition kann viele Erfolge mit sich bringen: Zunächst könnte die regelmäßige und ausreichende Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medikamenten sichergestellt werden, was eine Beseitigung des schlimmsten Elends darstellte. Zum anderen könnten die Menschen landwirtschaftliche Güter zum nächsten Markt bringen und dort verkaufen. So könnten vielleicht manche Familien das (auch für die Grundschule nötige) Schulgeld für ihre Kinder aufbringen und ihnen Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Die Kenge-Hilfe hat sich für dieses Jahr vorgenommen, die Anschaffung der beiden Außenborder zu ermöglichen. Ernährung Mamans Bondeko Bandundu ist die Provinzhauptstadt der Diözese Kenge, dennoch ländlich und sehr arm. Hier rief die Kenge-Hilfe das Bäckerei-Projekt der Mamans Bondeko ins Leben. Die Frauengruppe erhielt die Hälfte der notwendigen Summe als zurückzuzahlenden Kredit, die andere Hälfte als Geschenk. Den erwirtschafteten Reingewinn teilten die Frauen unter sich auf und kauften dafür Saatgut und Geräte zur Bestellung ihrer Felder. In diesem Jahr werden die Beteiligten den Kredit ganz zurückgezahlt haben und ihre Bäckerei ohne weitere Hilfe von außen mit Erfolg betreiben. Der zurückgezahlte Kredit soll in ein neues Projekt einfließen: Eine Schweinezucht soll den Markt von Bandundu regelmäßig mit Fleisch oder jungen Ferkeln versorgen. Auch hier sollen 50% wieder als abzuzahlender Kredit zurückfließen. So wird die Unterstützung durch die Kenge - Hilfe Anschub für erfolgreiche Selbsthilfe. Landwirtschaftliches Armutbekämpfungsprojekt des BMZ Die allgemein schlechte Ernährungslage der Bevölkerung soll durch ein groß angelegtes Projekt des BMZ gemeinsam mit der „Kenge-Hilfe" verbessert werden und über drei Jahre laufen. Momentan ernähren sich viele Menschen ausschließlich vom eiweiß- und vitaminarmen Maniok. Mangelerscheinungen und Krankheiten sind die Folge. Selbst Maniok steht nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung, so dass Symptome der Unterernährung hinzukommen. Das Armutsbekämpfungsprogramm stellt eine Hilfe zur Selbsthilfe dar: Drei Personen werden von einer Fachkraft im Anbau von Mais, Reis, Soja und Bohnen sowie in Gesundheits- und Ernährungslehre unterrichtet. Diese drei ausgebildeten Personen geben ihr Wissen weiter an jeweils 25 Frauen. Wurden diese Frauen erfolgreich unterrichtet, erhält jede von Ihnen 15 kg Saatgut, eine Machete und eine Hacke. Nach der ersten Ernte gibt jede Frau 15 kg Saatgut und ein Ackergerät, das sie aus dem Verkaufserlös kaufen kann, an eine weitere Frau weiter. So helfen sich die Menschen dort gegenseitig mit einer nur geringen „Starthilfe" von außen. Zusätzlich werden bereits bestehende Frauengruppen im Anbau von anspruchsvollen Feldfrüchten (Spinat, Auberginen, Tomaten, Amarante) auf Gemeinschaftsfeldern unterrichtet. Diese Frauen erhalten Hilfe in Form von gemeinschaftlichem Ackergerät, Saatgut, Gießkannen und Schubkarren. Hier wird dieser „Kredit" jedoch nicht abgetragen, indem etwas an andere Bürger weitergegeben wird, sondern indem jedes Jahr 10 % des Reinerlöses an das örtliche Ernährungszentrum abgeführt werden. Diese Zentren unterrichten junge Mütter in der richtigen Ernährung ihrer Familie und speisen unterernährte Kinder und kranke Alte. 2.880 bäuerliche Familien und sechs Ernährungszentren profitieren von diesem Projekt. Auch dieses Projekt arbeitet auf Kreditbasis und hält so die Kosten relativ gering. Gleichzeitig werden die Menschen vor Ort in die Verantwortung für ihren Nächsten genommen. Hunger und Fehlernährung können vermindert werden. Außerdem wird die wirtschaftliche Basis der Familien verbessert, was wiederum Auswirkung auf die Bildung hat; denn im Gegensatz zu früher können die Familien nun das Schulgeld für ihre Kinder aufbringen. Ein Viertel der Kosten (32.500 ) dieses Projekts trägt die Kenge-Hilfe. Diese Kosten müssen aus Spendenmitteln gedeckt werden. Für nur 35 kann man eine Familie mit dem notwendigen Saatgut und den Ackergeräten ausrüsten, die dann nach der ersten Ernte dasselbe an eine andere Familie weitergibt. Eine solche Patenschaft in Höhe von 35 für eine Bauernfamilie stellt eine große Hilfe dar und ermöglicht den Menschen im Kongo ihre Situation aus fast eigener Kraft zu verbessern. |