| KSJ und jesuitische Erziehung |
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| Geschrieben von N.N. (vgl. Artikel) | |
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Drei Gymnasien unterhält der Jesuitenorden in Deutschland: in Berlin,
in St. Blasien (Schwarzwald) und in Bonn - Bad Godesberg. Wie in den
meisten der 400 Jesuitenschulen in aller Welt gibt es auch an den
deutschen Kollegien »außerschulische Jugendarbeit« - Gruppen der GCL
(Gemeinschaften Christlichen Lebens) oder der KSJ (Katholische
Studierende Jugend). Die ND-Gruppe St. Michael, die bereits seit Anfang
der dreißiger Jahre am Godesberger Aloisiuskolleg besteht, ist heute
der KSJ angeschlossen. Warum legt der Jesuitenorden in seinem Erziehungskonzept Wert auf diese Form der Jugendarbeit? Mehr noch: warum sind Verantwortliche des Ordens sogar der Meinung, Kollegserziehung sei nur dann sinnvoll, wenn zusätzlich zum offiziellen Unterricht in irgendeiner Form solch außerschulisches »Beiprogramm« sichergestellt ist? Zu den wichtigsten Erkenntnissen moderner Pädagogik gehört heute die Forderung, Erziehung müsse ganzheitlich geschehen. Das meint nicht nur, die Inhalte der einzelnen Unterrichtsfächer müssen stärker aufeinander bezogen sein. Ebenso wichtig ist die Einsicht: Was der Unterricht an theoretischem Wissen vermittelt, muss seinen Platz im praktischen Leben der Lernenden finden. Außerschulische Jugendarbeit will diesen ganzheitlichen Aspekt der Erziehung verstärken; denn die Erfahrung zeigt: Was durch praktisches Tun eingeübt wird, geht nicht nur bei einem jungen Menschen in Fleisch und Blut ein. In besonderer Weise gilt diese Erkenntnis für die religiöse Erziehung. Das Unterrichtsfach Religion liefert Wissensstoff, will an einer christlich geprägten Schule auch bestimmte Werte und Einstellungen vermitteln. Doch christliches Leben ereignet sich im gemeinsamen Tun, im Miteinanderumgehen. Es lebt davon, dass Gemeinschaft erfahren, Verantwortung übernommen, Vertrauen geschenkt wird. All das wird im Unterricht theoretisch vermittelt; es kann bis zu einem gewissen Grad auch in der Klassengemeinschaft oder beim Schulgottesdienst erfahren werden. Doch erst im Freiraum außerhalb des Schulalltags können solche Haltungen und Einstellungen mit vollem Leben gefüllt werden. Wenn der offizielle Klassenverband abgelöst wird durch den Freundeskreis der Gruppe, finden junge Menschen Gelegenheit und Lust zu schöpferischem Tun in der frei gewählten Gemeinschaft Gleichaltriger. Leiter der Gruppe ist zunächst ein Jugendlicher, der zwar meistens einige Jahre älter ist; doch er wird von den anderen Gruppenmitgliedern als einer der ihren betrachtet; es fällt ihnen leicht, sich mit ihm zu identifizieren. Der Orden legt Wert darauf, dass ein Pater als geistlicher Leiter die Gruppe prägt. Das geschieht aus der Überlegung, für die Jugendlichen sei es wichtig, einen Priester als Gesprächspartner zu haben. Denn jede Art religiöser Erziehung, die verantwortungsbewusst angelegt ist, zielt darauf hin, zu persönlichen Entscheidungen zu führen. Um solche Entscheidungen treffen zu können, brauchen junge Menschen kompetente Begleiter, die ermutigen, in Krisensituationen Hilfe anbieten und, falls nötig, auch korrigierend eingreifen. Ein wichtiger Schwerpunkt der Mittel- und Oberstufenarbeit bei der GCL und KSJ besteht darin, dass die Jugendlichen - entsprechend ihrer Eigenart und Reife - lernen sollen, ihre persönlichen Erfahrungen mit Gott zu machen. Gleichzeitig sollen sie versuchen, mit anderen diese Erfahrungen auszutauschen. So können sie das einüben, was der Generation ihrer Eltern nur schwer gelingt: sie lernen, über Dinge des persönlichen Glaubens zu sprechen. Wenn das möglich wird, könnten solche Versuche ein Beitrag sein zur Überwindung eines Defizits unserer Tage: Vielleicht wird die heranwachsende Generation dieser Christen Religion einmal nicht nur in den Bereich des Privaten verbannen. In dem in letzter Zeit häufig zitierten Arbeitspapier »Grundzüge jesuitischer Erziehung« (Rom 1986) heißt es, diese Erziehung mache den Schülern bewusst, dass Talente Gaben sind, deren Entwicklung nicht der egoistischen Befriedigung eigener Bedürfnisse dient, sondern dem Wohl aller Menschen. »Heute muss das Hauptziel unserer Erziehung sein, Männer und Frauen für andere zu bilden« (Seite 82). Erkenntnisse der modernen Pädagogik - zeigen: In den Gruppen außerschulischer Jugendarbeit lernen junge Menschen geradezu spielend, sich einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen, füreinander dazusein; mit einem Wort: Sie lernen, wie das geht, zum Menschen für andere zu werden. Diese positiven Erfahrungen geben Antwort auf die Frage, warum der Orden gerade heute so großen Wert legt auf diese Form der Jugendarbeit. P. Hans-Georg Lachmund SJ |